Zwischen Auflehnung, Widerstand und Widerstandskampf. Frauen gegen die totalitäre Macht der Nazis

Die bisherigen fünf Artikel der Reihe „Echos der Frauenstimmen des Krieges“ stellten fünf Frauen vor, deren Lebensgeschichten mit dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik verbunden waren. Sie stellten sich der nationalsozialistischen Gewalt auf unterschiedliche Weise entgegen. Marie Kudeříková engagierte sich im Untergrund und bei der Vorbereitung von Sabotageaktionen, während die Prager Wohnung von Marianne Golz-Goldlust als Treffpunkt diente und den Verfolgten Hilfe bot. Jiřina Kopoldová-Švermová hielt als Funkerin die Verbindung zwischen den tschechoslowakischen Einheiten an der Ostfront aufrecht. Emílie Machálková versteckte mit ihrer Familie Verwandte vor der Deportation und tauchte später selbst unter, um einer Zwangssterilisation zu entgehen. Růžena Danielová versuchte im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, ihre Kinder zu schützen, und sang ein Lied, das die Erfahrungen der inhaftierten Roma und Sinti zum Ausdruck brachte.

Ihre Geschichten stellen dabei nur eine kleine Auswahl aus einem viel breiteren Spektrum weiblichen Handelns dar. Was alles können wir also als persönliche Auflehnung, breiteren Widerstand oder organisierten Widerstandskampf bezeichnen? Der Artikel untersucht verschiedene Formen dieser Haltungen und Handlungen und zeigt auch auf, warum einige davon lange Zeit übersehen wurden.

Individuelle Auflehnung, Solidarität und Hilfe:

Auf der persönlichen Ebene können wir von Auflehnung sprechen. Mit diesem Begriff bezeichnen wir die Entscheidung, sich einem konkreten Befehl, einem Eingriff oder einer Demütigung nicht zu unterwerfen. Dies konnte sowohl die Form einer unmittelbaren Reaktion in einer Extremsituation als auch die einer durchdachten und langfristigen Haltung annehmen. Die Akteurinnen eines solchen Handelns mussten weder ein übergeordnetes politisches Ziel verfolgen noch sich selbst als Teilnehmerinnen des antinazistischen Widerstands betrachten. Dennoch lehnten sie bewusst den Eingriff der nationalsozialistischen Macht in ihr eigenes Leben, ihre Familie oder ihren Körper ab.

Der Begriff „Widerstand“ umfasst ein breiteres Spektrum individueller und kollektiver Handlungen, die die nationalsozialistische Macht ablehnten, ihre Absichten untergruben oder den Menschen halfen, gegen die sich ihre Maßnahmen richteten. Er musste weder auf der Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation beruhen noch einem vorab festgelegten politischen Programm folgen. Er konnte darin bestehen, Verfolgte zu verstecken, Lebensmittel und Ausweispapiere zu beschaffen, Familien von Inhaftierten zu unterstützen, diskriminierende Verordnungen zu missachten oder die Zusammenarbeit mit den Besatzungsbehörden zu verweigern. Er beruhte auf politischer oder religiöser Überzeugung, aber auch auf Solidarität, familiärer Verantwortung oder dem Bestreben, einem bestimmten Menschen zu helfen.

Die Grenze zwischen persönlicher Auflehnung und einem umfassenderen Widerstand war nicht scharf gezogen. Die Weigerung, einen einzigen Befehl zu befolgen, konnte eine einmalige Handlung bleiben, die jedoch für den bedrohten Menschen entscheidend war. In anderen Fällen entwickelte sich die erste Hilfe für einen Verwandten, Nachbarn oder Freund nach und nach zu einer langfristigen Aktivität und führte zur Entstehung eines informellen Netzwerks kooperierender Menschen. Die Begriffe „Auflehnung” und „Widerstand“ stellen daher keine Werteskala dar, sondern helfen dabei, Art, Umfang und Umstände eines konkreten Handelns zu unterscheiden.

Die Gesellschaft im Protektorat lässt sich im Übrigen nicht allein durch den Gegensatz von Widerstandskampf und Kollaboration beschreiben. Zwischen dem organisierten Kampf gegen die Besatzer und der bewussten Zusammenarbeit mit ihnen erstreckte sich ein weites Feld aus erzwungener Anpassung, zweckmäßiger Nachgiebigkeit, Ablehnung sowie gelegentlichen Bekundungen des Widerstands. Zudem konnten sich die Haltungen einzelner Menschen je nach Kriegsverlauf, persönlichen Erfahrungen und dem Ausmaß der Bedrohung ändern. Eine solche Sichtweise ermöglicht es auch, das Handeln von Frauen zu erfassen, das in den Schriftstücken der Widerstandsorganisationen keine Spuren hinterlassen hat. 1

Individuelle Auflehnung und informeller Widerstand erwuchsen oft aus persönlichen Beziehungen und spielten sich im familiären und häuslichen Umfeld ab. Tätigkeiten, die die damalige Gesellschaft vor allem mit Frauen in Verbindung brachte (Kochen, Beschaffung von Lebensmitteln, Wäschewaschen, Pflege von Kranken oder die Pflege von Familien- und Nachbarschaftskontakten), konnten nach außen hin als Teil des Alltagslebens wirken. Sofern sie jedoch das Überleben einer Person im Untergrund oder einer von Deportation bedrohten Familie sicherten, erlangten sie politische Bedeutung. Diese ergab sich nicht aus der Art der Arbeit an sich, sondern aus ihrem Zweck, den Umständen und den damit verbundenen Gefahren. Ein anschauliches Beispiel war die Prager Wohnung von Marianne Golz-Goldlust. Sie war kein geheimes Hauptquartier einer Widerstandsorganisation im üblichen Sinne. Dort fanden gesellschaftliche Zusammenkünfte von Menschen aus tschechischen, deutschen und jüdischen Kreisen statt, unter anderem aus künstlerischen und intellektuellen Kreisen. Das natürliche Kommen und Gehen der Besucherinnen und Besucher bot Gelegenheit zum Informationsaustausch und zum Knüpfen von Kontakten. Gleichzeitig wurde hier Hilfe für jüdische Freunde und Bekannte vereinbart, die von der Deportation bedroht waren. Marianne Golz-Goldlust beteiligte sich an der Beschaffung von Ausweispapieren, der Übergabe von Geld und der Vermittlung von Kontakten, die den Verfolgten die Flucht oder das Untertauchen erleichtern sollten.


Häftlingsfoto von Marianne Golz-Goldlust aus dem Gefängnis Pankrác. Archiv von Ronnie Golz. Quelle: DROBNÝ, Jaroslav: Ženy jako já neumírají v posteli. (Frauen wie ich sterben nicht im Bett.) Hobulet, 25. 2. 2021. Verfügbar unter: https://www.praha7.cz/zeny-jako-ja-neumiraji-v-posteli/. 

Diese Hilfe basierte auf familiären, freundschaftlichen und anderen persönlichen Beziehungen sowie auf der Bereitschaft einzelner Menschen, eine Teilaufgabe zu übernehmen. Die Beteiligten mussten nicht alle anderen kennen oder sich als Mitglieder einer gemeinsamen Organisation betrachten. Eine Person stellte eine Adresse zur Verfügung, eine andere besorgte einen Ausweis, verwahrte Geld oder empfahl einen zuverlässigen Vermittler. Aus diesen einzelnen Handlungen entstand so eine informelle Hilfsinfrastruktur. Der Haushalt bot Rückhalt und glaubwürdige Tarnung, war aber gleichzeitig verwundbar. Eine unerwartete Durchsuchung, eine Denunziation, eine abgefangene Nachricht oder die Aussage einer verhafteten Person konnten alle Beteiligten gefährden.

Die Geschichte von Marianne Golz-Goldlust eröffnet somit einen Einblick in den Widerstand „gewöhnlicher Menschen“, die außerhalb fest definierter Widerstandsstrukturen standen. Die genaue Zahl der Frauen, die sich an einer solchen Hilfe beteiligten, ist uns nicht bekannt. Zudem hinterließen ihre Aktivitäten oft keine schriftlichen Belege, da Geheimhaltung eine Voraussetzung für die Sicherheit war und viele einzelne Taten nach dem Krieg nicht dokumentiert wurden. In die historischen Quellen gelangten sie in der Regel erst dann, wenn die Hilfe von der Gestapo aufgedeckt wurde, Gegenstand eines Gerichtsverfahrens wurde oder später von den Geretteten und ihren Angehörigen beschrieben wurde.

Auch die Geschichte von Emílie Machálková, geborene Holomková, zeugt von familiärem Widerstand. Bevor ihre Verwandten im März 1943 als von den nationalsozialistischen Behörden als „rassische Zigeuner“ und „Zigeuner-Mischlinge“ bezeichnete Menschen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz II-Birkenau deportiert wurden, nahm sie ihre kleine Cousine Růženka in Obhut. Die Familie versteckte auch die Großmutter und gewährte später weiteren Verwandten Zuflucht. Zu ihrem Überleben trug auch ein Teil der Einwohner von Nesovice bei, die mit Lebensmitteln halfen und die Geheimhaltung aufrechterhielten. So wurde der Haushalt zum Mittelpunkt einer größeren Solidaritätsgemeinschaft. Als Emílie Machálková selbst zur Zwangssterilisation vorgeladen wurde, tauchte sie unter. Ihre Entscheidung bedeutete nicht nur die Flucht vor unmittelbarer Gefahr, sondern auch die Ablehnung eines gewaltsamen Eingriffs in ihren eigenen Körper und ihre Zukunft.

Widerstand unter den Bedingungen der Verfolgung:

Die Handlungsmöglichkeiten von Frauen, die selbst rassistischer Verfolgung ausgesetzt waren, waren äußerst begrenzt. Die nationalsozialistische Macht entschied über ihre Bewegungsfreiheit, ihr Familienleben, ihren Körper und letztlich auch über ihr Existenzrecht. Unter diesen Umständen lassen sich nicht alle Mittel, mit denen sie versuchten, sich selbst und andere zu schützen, pauschal als Widerstand bezeichnen. Das Streben nach Überleben und dem Erhalt der Familie oder die gegenseitige Hilfe stellten in erster Linie Ausdrucksformen von Fürsorge und Solidarität dar. Wenn sie mit einem bewussten Verstoß gegen eine konkrete Verordnung oder ein Verbot verbunden waren, konnten sie gleichzeitig die Form individueller Auflehnung annehmen. Die Bewahrung von Beziehungen, Identität, Sprache, Glauben oder kulturellen Ausdrucksformen konnte dann geistige oder kulturelle Auflehnung darstellen. Die Geschichte von Emílie Machálková zeigt, dass sich die einzelnen Handlungsebenen überschneiden konnten. Die Aufnahme der kleinen Růženka in die Obhut war in erster Linie ein Versuch, ihr Leben zu retten. Das Verstecken weiterer Verwandter, denen die Deportation in ein Konzentrationslager drohte, stellte jedoch zugleich eine bewusste Vereitelung der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen dar. Das Verstecken von Emílie Machálková selbst vor der Zwangssterilisation war dann eine direkte Ablehnung des gewaltsamen Eingriffs in ihren Körper und ihre Zukunft.

Besondere Bedeutung erlangten familiäre Bindungen in Ehen und Partnerschaften, die nach den nationalsozialistischen Vorschriften als „rassenmäßig gemischt“ galten. Obwohl die Verfolgung von Jüd:innen und Rom:nja einen unterschiedlichen Verlauf nahm und auf unterschiedlichen rechtlichen Mechanismen beruhte, griff die Rassenpolitik in beiden Fällen direkt in die familiären Beziehungen ein. Das Festhalten an einem bedrohten Partner:innen, die Ablehnung einer Scheidung oder der Schutz von Kindern und Verwandten konnten eine bewusste Ablehnung des Drucks darstellen, der die Familie trennen sollte. Solches Verhalten gehörte in der Regel nicht zu den öffentlich sichtbaren Handlungen, konnte jedoch für das Überleben der Verfolgten entscheidend sein. 

Nach der Deportation schrumpften die Handlungsmöglichkeiten weiter. Doch auch die Erfahrungen der inhaftierten Frauen waren nicht einheitlich. Der Spielraum, der ihnen für eigene Entscheidungen blieb, wurde neben der Art der Haftanstalt auch durch den Grund der Inhaftierung, das Alter, den Gesundheitszustand, die Arbeitszuweisung, die Stellung in der Lagerhierarchie und die Verfügbarkeit familiärer, freundschaftlicher oder anderer sozialer Bindungen beeinflusst. Das Ghetto oder das Konzentrationslager waren Umgebungen, die zur Kontrolle, Isolation und Ausbeutung der inhaftierten Menschen geschaffen wurden. Hunger, Zwangsarbeit, Krankheiten, mangelnde Privatsphäre, Isolation und allgegenwärtige Gewalt schränkten ihre Handlungsmöglichkeiten erheblich ein. Dennoch entstanden auch hier verschiedene Formen der gegenseitigen Hilfe und des Handelns, die je nach den konkreten Umständen die Form von Auflehnung oder Widerstand annehmen konnten. Die inhaftierten Frauen teilten Lebensmittel miteinander, kümmerten sich um Kinder und Kranke, übermittelten Nachrichten, hielten familiäre Bindungen aufrecht und pflegten je nach den konkreten Umständen religiöse oder kulturelle Traditionen. Solches Handeln konnte Leben, zwischenmenschliche Beziehungen und das Bewusstsein der eigenen Identität vor einem auf Gewalt und Entmenschlichung basierenden System schützen. 2

Die Verknüpfung des Überlebenskampfes mit dem bewussten Verstoß gegen die Lagerregeln verdeutlicht die Erfahrung von Růžena Danielová, die zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Auschwitz II-Birkenau deportiert wurde. Im Konzentrationslager suchte sie in erster Linie nach Nahrung für ihre Kinder, obwohl sie dafür mehrfach grausam geschlagen wurde. Es handelte sich nicht um organisierten Widerstand gegen die Lagerverwaltung, sondern um die bewusste Missachtung festgelegter Regeln und die Inkaufnahme unmittelbarer Risiken in dem Bestreben, das Leben der Nächsten zu verlängern. Die Fürsorge, die im normalen Leben Teil der mütterlichen Verantwortung war, nahm hier die Form eines täglichen Kampfes gegen unmenschliche Lebensbedingungen an.

Eine andere Dimension ihrer Erfahrungen spiegelt sich in dem Lied „Aušvicate hi kher báro“ wider, also „In Auschwitz steht ein großer Bau“. Die Melodie und die Grundmotive dieses Liedes wurden offenbar in verschiedenen Varianten unter den Roma-Häftlingen und -Häftlinginnen weitergegeben. Růžena Danielová verband sie mit ihren eigenen Erfahrungen und sang das Lied laut ihrem Nachkriegszeugnis gemeinsam mit anderen Gefangenen im Lager. Darin brachte sie Hunger, Entfremdung, Gewalt und Wut gegenüber den Tätern zum Ausdruck. Das Lied war somit nicht nur eine Klage, sondern auch ein Zeugnis und eine Anklage gegen das Lagersystem. Das Singen konnte zwar weder das Kräfteverhältnis ändern noch die Verfolgung stoppen. Es ermöglichte den Gefangenen jedoch, ihre eigenen Erfahrungen zu benennen, sie in ihrer Sprache zu teilen und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu bewahren. In diesem Sinne konnte es zu einem Widerstand gegen Entmenschlichung und Zum-Schweigen-Bringen werden.

 Růžena Danielová nach dem Zweiten Weltkrieg mit tätowierter Häftlingsnummer. Quelle: HOLÝ, Dušan, NEČAS, Ctibor: Žalující píseň (Ein Klagelied). Strážnice 1993.

Während persönliche Auflehnung und informeller Widerstand aus der Entscheidung eines Einzelnen oder aus der freien Zusammenarbeit mehrerer Menschen entstehen konnten, bezeichnen wir mit „Widerstandskampf“ in der Regel organisierte, zielgerichtete und systematischere Aktivitäten, die sich gegen die Besatzungsmacht richteten. Ihr bestimmendes Merkmal war nicht der Einsatz von Waffen, sondern ein gemeinsames Ziel, die Aufgabenteilung, eine dauerhafte Zusammenarbeit und die Einhaltung der Regeln der Verschwörung. Die Begriffe „Auflehnung“, „Widerstand“ und „Widerstandskampf“ verwenden wir als analytische Bezeichnungen, die helfen, die Art und den Organisationsgrad des Handelns zu unterscheiden; sie sagen jedoch nicht automatisch etwas darüber aus, wie die Akteurinnen selbst ihre Handlungen verstanden haben. Die Grenzen zwischen informeller Hilfe und Widerstandskampf waren dabei nicht immer scharf gezogen. Jemand, der zunächst einem Verwandten Unterschlupf gewährte oder eine einzige Nachricht übermittelte, konnte nach und nach zu einem Glied eines umfangreicheren illegalen Netzwerks werden.

Unter den Bedingungen des Protektorats Böhmen und Mähren wurde während des größten Teils der Besatzungszeit kein offener bewaffneter Kampf geführt. Zwar rechneten die ersten militärischen Widerstandsstrukturen mit der Vorbereitung eines Aufstands für den Fall einer günstigen Kriegsentwicklung, doch der nationalsozialistische Repressionsapparat zerschlug einen beträchtlichen Teil der ersten Generation des heimischen Widerstandskampfs. Daher gewannen die Informationsbeschaffung, die Aufrechterhaltung der Verbindungen zum tschechoslowakischen Exil, die Herausgabe und Verbreitung illegaler Druckerzeugnisse, die Hilfe für Menschen, die im Untergrund lebten, sowie Sabotageakte gegen Produktion, Transport oder Versorgung zunehmend an Bedeutung.

Der Widerstandskampf beruhte also nicht nur auf bewaffneten Aktionen und auffälligen Sabotageakten. Um funktionieren zu können, benötigte er zuverlässige Verbindungen, sichere Adressen und Verstecke, gefälschte Ausweise, Geld sowie Material für die Herausgabe von Druckschriften und die Vorbereitung von Sabotageaktionen. Er war auch auf Menschen angewiesen, die bereit waren, scheinbar alltägliche Aufgaben zu übernehmen: einen Umschlag zu überbringen, Papier zu besorgen oder eine Nachricht weiterzugeben. Jeder dieser Schritte konnte zur Verhaftung führen und das gesamte Netzwerk gefährden. Die Bedeutung einer einzelnen Aufgabe lässt sich daher nicht losgelöst von den Aktivitäten der anderen Mitstreiterinnen und Mitstreiter beurteilen. Eine von einer Informantin oder einem Informanten beschaffte Information nützte nichts, wenn der Kurier sie nicht sicher an den Empfänger weiterleiten konnte. Eine Person im Untergrund wiederum konnte ihre Tätigkeit ohne Versteck, Lebensmittel, Ausweispapiere und Kontakt zu anderen Mitgliedern der Gruppe nicht fortsetzen.

Die Vielfalt dieser miteinander verknüpften Aufgaben verdeutlicht die Geschichte von Marie Kudeříková sehr gut. Im Laufe mehrerer Jahre war sie am Transport illegaler Sendungen und Nachrichten, an der Schleusung von Menschen über die Grenze, an der Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen den einzelnen Zellen, am Vervielfältigen und Verbreiten von Druckwerken sowie an der Beschaffung von Material, Waffen und Sprengstoff beteiligt. Sie beteiligte sich auch an Sabotageaktionen in Fabriken und im Eisenbahnbetrieb.

Marie Kudeříková (Mitte) auf einem Schulfoto während ihrer Zeit am Gymnasium in Strážnice. Quelle: BEDNAŘÍKOVÁ, Jarmila. …Slyšet tep života: [propagační brožura k památníku Marušky Kudeříkové ve Vnorovech] (…Den Herzschlag des Lebens hören: [Werbebroschüre zum Denkmal für Maruška Kudeříková in Vnorovy]). Vnorovy 1981. 

Die im Widerstandskampf aktiven Frauen bildeten weder sozial noch beruflich eine einheitliche Gruppe. Unter ihnen befanden sich Politikerinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern, Beamtinnen, Arbeiterinnen, Künstlerinnen sowie Frauen ohne vorherige öffentliche Tätigkeit. Auch ihre Motivation und ihr Weg zum Widerstandsengagement waren unterschiedlich. Einige schlossen sich aus politischen, nationalen oder religiösen Überzeugungen an, andere wurden über Verwandte, Freunde oder Kolleginnen und Kollegen in das Netzwerk eingebunden. Persönliche Beziehungen, die die Grundlage für informelle Hilfe bildeten, konnten somit gleichzeitig als Mittel zur Gewinnung zuverlässiger Mitstreiterinnen und Mitstreiter dienen.

Den Frauen kam bei ihren illegalen Aktivitäten anfangs möglicherweise die damalige Annahme zugute, dass sie sich nicht an politischen und militärischen Angelegenheiten beteiligten. Alltägliche Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Verwandten konnten ihnen zugleich als Tarnung beim Transport von Nachrichten und Material dienen. Frauen in Widerstandsorganisationen fungierten als Verbindungsfrauen, Kurierinnen und Spioninnen, aber auch als Organisatorinnen von Treffen, Verfasserinnen und Vervielfältigerinnen illegaler Texte oder als direkte Teilnehmerinnen an Sabotageaktionen. All diese Tätigkeiten lediglich als „unterstützend“ zu bezeichnen, würde ihre Bedeutung für das Funktionieren des gesamten Netzwerks verschleiern. Der relative Vorteil, weniger Verdacht zu erregen, war zudem nur vorübergehend und bedeutete keineswegs eine geringere Gefahr. Sobald die Gestapo die Verbindungen der Frauen zu den Widerstandsstrukturen aufdeckte, waren sie ebenso wie ihre männlichen Mitstreiter Verhaftungen, gewaltsamen Verhören, Inhaftierungen und Hinrichtungen ausgesetzt. 3

Das Ausmaß des Engagements der Frauen zeigte sich besonders deutlich bei der Unterstützung der aus dem Ausland entsandten tschechoslowakischen Fallschirmjäger. Die Fallschirmjäger benötigten sichere Kontakte, Unterkünfte, Lebensmittel, Zivilkleidung, gefälschte Ausweise sowie Verbindungen zu anderen Teilen des Widerstands. Die nationalsozialistischen Repressalien nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich trafen daher nicht nur die Fallschirmjäger selbst, sondern auch einen großen Kreis ihrer Helferinnen, Helfer und Angehörigen. In drei Hinrichtungswellen wurden im Konzentrationslager Mauthausen 294 Mitstreiterinnen, Mitstreiter und Angehörige der tschechoslowakischen Fallschirmjäger ermordet, darunter 150 Frauen. Dieses Verhältnis zeigt deutlich, dass Frauen nicht am Rande des organisierten Widerstandskampfs standen, sondern einen wesentlichen Teil seines Rückhalts und seiner personellen Verbindungen ausmachten. 4

im Exil und in den Auslandseinheiten:

Der tschechoslowakische Widerstandskampf im Exil sowie die Streitkräfte bildeten sich außerhalb des besetzten Gebiets, ihr Ziel war es jedoch, zur Niederlage Nazi-Deutschlands und zum Wiederaufbau der Tschechoslowakei beizutragen. Das Engagement der Frauen erfolgte auf zwei grundlegenden Ebenen: zivile Arbeit in politischen, sozialen, kulturellen und medialen Strukturen des Exils sowie der Dienst in tschechoslowakischen oder alliierten Militäreinheiten.

In den Exilzentren arbeiteten Frauen in Landsmannschaften und Frauenorganisationen, beim Tschechoslowakischen Roten Kreuz, in sozialen Diensten, in Redaktionen und beim Rundfunk. Sie organisierten Spendenaktionen, halfen Flüchtlingen, sorgten für die Betreuung von Kindern, veranstalteten Bildungskurse und trugen zur Aufrechterhaltung des kulturellen Lebens der tschechoslowakischen Gemeinschaften bei. Gleichzeitig wandten sie sich über die Presse und Rundfunksendungen an die Zuhörerinnen und Zuhörer in der besetzten Heimat. Führende diplomatische und politische Ämter blieben jedoch überwiegend Männern vorbehalten. Zu den wenigen Frauen, die direkt in den politischen Strukturen des Exils tätig waren, gehörte Anežka Hodinová-Spurná, Mitglied des tschechoslowakischen Staatsrats und Vertreterin der tschechoslowakischen Frauenorganisationen in Großbritannien.

Eine zweite Ebene bildete der Militärdienst. Frauen traten meist freiwillig in ausländische Einheiten ein, doch ihre Anzahl und ihre Dienststellung unterschieden sich im Osten und im Westen. Fast tausend Frauen traten während des Krieges den in der Sowjetunion gebildeten tschechoslowakischen Militäreinheiten bei. Anfangs handelte es sich um eine rechtlich provisorische Regelung, da das Wehrgesetz aus der Vorkriegszeit den Dienst von Frauen nicht vorsah. Ihre Stellung wurde erst durch ein Dekret des Präsidenten der Republik vom Mai 1944 geregelt. In Großbritannien und im Nahen Osten dienten mehr als zweihundert tschechoslowakische Frauen, allerdings nicht in einem eigenständigen tschechoslowakischen Frauenkorps. Sie traten vor allem den britischen Hilfskorps bei. Trotz der anfänglichen Zurückhaltung der tschechoslowakischen Exilbehörden, Frauen in die Armee aufzunehmen, erkämpften sie sich so nach und nach die Möglichkeit, den Militärdienst zu leisten, sowie dessen offizielle Anerkennung.

Die meisten Soldatinnen übernahmen Aufgaben im Sanitäts-, Fernmelde-, Verwaltungs-, Transport- oder technischen Bereich. Sie dienten als Ärztinnen, Sanitäterinnen und Pflegekräfte, Funkerinnen, Telefonistinnen, Chiffriererinnen, Fahrerinnen oder Übersetzerinnen. Einige wurden an der Ostfront sogar direkt im Kampf eingesetzt. Die Bezeichnung „Hilfsdienst“ darf daher nicht den Eindruck einer nebensächlichen oder sicheren Tätigkeit erwecken. Ohne medizinische Versorgung, Kommunikation, Transport und Verwaltung hätten die Militäreinheiten nicht kämpfen können. Die Bedeutung des Dienstes der Frauen lässt sich zudem nicht allein daran messen, wie viele Männer dadurch für die Kampfeinheiten freigesetzt wurden. Sie übernahmen selbst fachliche Funktionen und Verantwortung für die Tätigkeit der Armee. 5

Eine der Freiwilligen war Jiřina Kopoldová-Švermová. Nach ihrem Eintritt in die tschechoslowakische Einheit in der Sowjetunion wurde sie zunächst als Schreibkraft eingesetzt, absolvierte jedoch anschließend eine Fachausbildung und wechselte zum Fernmeldetrupp. Als Funkerin sicherte sie die Verbindung zwischen dem Brigadestab und den unterstellten Einheiten, also den für die Leitung militärischer Operationen unverzichtbaren Informationsfluss. Später war sie auch als Stellvertreterin des Fernmeldeoffiziers, Zugführerin und Ausbilderin für neue Funkerinnen tätig. Ihr Dienst zeigt, dass Frauen nach und nach Fachkompetenz und Führungsaufgaben übernahmen, obwohl ihnen das militärische Umfeld ursprünglich vor allem unterstützende Rollen zuwies.

Jiřina Kopoldová-Švermová für ihren Dienst bei der 1. tschechoslowakischen unabhängigen Brigade, Nowochopjorsk 1943. Quelle: ŠVERMA, Jan, KOPOLDOVÁ, Jiřina: Dopisy dceři. (Briefe an die Tochter). Říčany 2004.

(Nicht-)Erinnerung nach dem Krieg:

Der Umfang und die Art der Kriegsbeteiligung allein entschieden nicht darüber, welche Geschichten nach 1945 öffentlich in Erinnerung bleiben würden. Das kollektive Gedächtnis ist nicht bloß eine Zusammenfassung historischer Erkenntnisse. Es wird beeinflusst von politischen Verhältnissen, zeitgenössischen Vorstellungen von Heldentum sowie dem Bedürfnis, die Vergangenheit so zu interpretieren, dass sie den Werten der Gegenwart entspricht. Manche Schicksale nehmen daher einen bedeutenden Platz im öffentlichen Raum ein, andere werden vereinfacht dargestellt und wieder andere bleiben lange Zeit an dessen Rand.

In den ersten Nachkriegsjahren stand im öffentlichen Gedenken der gemeinsame nationale Kampf gegen die Besatzer, das Heldentum der Kämpfer und das Leid der Opfer im Vordergrund. Das Bild eines einheitlichen Widerstands trug dazu bei, das Zusammengehörigkeitsgefühl wiederherzustellen, verschleierte jedoch gleichzeitig die unterschiedlichen Kriegserfahrungen und Haltungen der Bevölkerung. Bereits in den Jahren 1945–1948 wetteiferten zudem einzelne politische Strömungen um den Anteil an den Verdiensten um die Befreiung und setzten ihre eigene Interpretation des Widerstandskampfs durch.

Nach dem Februar 1948 verengte sich das offizielle Bild der Vergangenheit weiter. In den Mittelpunkt rückten der kommunistische Widerstandskampf, die Partisanenbewegung und der mit der Sowjetunion verbundene Auslandswiderstandskampf im Osten. Die demokratischen, zivilen und westlichen Widerstandsbewegungen wurden an den Rand gedrängt oder verschwiegen, und ein Teil ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde selbst zum Opfer kommunistischer Repressionen. Das Gedenken an den Krieg diente somit auch der Legitimierung des neuen Regimes, das bestimmte, welche Traditionen und Persönlichkeiten als vorbildlich anzusehen waren.

Das Bild des Widerstandskampfs wurde zudem lange Zeit überwiegend aus männlicher Perspektive geprägt. Im Vordergrund standen Soldaten, Kommandeure, Fallschirmjäger und Partisanen, also Figuren, die der traditionellen Vorstellung eines Helden mit der Waffe in der Hand entsprachen. Frauen tauchten in dieser Erzählung oft nur als Helferinnen, Ehefrauen, Witwen oder Verwandte bedeutender Männer auf. Ihre Arbeit im Verbindungsdienst, in Haushalten, Krankenhäusern, illegalen Netzwerken oder beim Schutz Verfolgter wurde als unterstützend bezeichnet, obwohl die Widerstandsstrukturen ohne sie nicht hätten funktionieren können. Vor allem das Opfer der Frauen wurde hervorgehoben, weniger hingegen ihre eigene Entscheidungsfähigkeit, Initiative und ihr politisches Handeln. Doch auch die Frauen wurden nicht alle auf dieselbe Weise aus der Nachkriegsdarstellung ausgeschlossen. Soldatinnen, die an der Ostfront im Einsatz waren, konnten Teil der offiziellen Erzählung über die Befreiung der Tschechoslowakei durch die Rote Armee werden, ihre Erfahrungen wurden jedoch in der Regel in einer ideologisch geprägten Form dargestellt. Hervorgehoben wurden beispielsweise ihre Tapferkeit im Kampf, ihre Aufopferungsbereitschaft und ihre Freundschaft mit der Sowjetunion, die die entscheidende Rolle der Roten Armee und des kommunistischen Widerstandskampfs bei der Befreiung bestätigen sollten. Soldatinnen wurden somit vor allem als Vertreterinnen einer gewünschten kollektiven Erzählung gewürdigt, weniger jedoch als eigenständige Akteurinnen mit eigenen und oft komplexen Lebensgeschichten. Frauen, die in den britischen Hilfskorps dienten oder mit dem westlichen Widerstand verbunden waren, blieben dagegen weitaus stärker im Hintergrund. Über die Sichtbarkeit einzelner Schicksale entschied somit nicht nur das Geschlecht, sondern auch ihre Einordnungsmöglichkeit in die gerade propagierte politische Deutung des Krieges. 6

Eine besondere Ausprägung dieser selektiven Sichtbarkeit stellte Marie Kudeříková dar. Das kommunistische Regime machte sie zu einer der bekanntesten weiblichen Figuren des heimischen Widerstandskampfs. Schulen und Straßen trugen ihren Namen, und ihre Geschichte fand Eingang in Literatur, Film und öffentliche Gedenkfeiern. Sichtbarkeit bedeutete jedoch kein vollständiges Verständnis. Kudeříková wurde vor allem als junge kommunistische Märtyrerin dargestellt, während die Vielschichtigkeit ihres Handelns und ihre persönlichen Beweggründe hinter einem ideologisch verwertbaren Bild zurücktraten. Sie ist ein Beispiel dafür, dass auch eine intensiv in Erinnerung gehaltene Person teilweise zum Schweigen gebracht werden kann, wenn ihre Erfahrung durch eine Legende ersetzt wird.

Jiřina Kopoldová-Švermová stellte einen anderen Widerspruch dar. Während ihr Vater Jan Šverma als kommunistischer Held gefeiert wurde, wurde sie selbst Anfang der 1950er Jahre Opfer kommunistischer Verfolgung. Ihre eigenen Kriegserfahrungen als Funkerin blieben daher im Schatten des Vaterkults sowie der Ereignisse, die sie und ihre Familie nach dem Krieg trafen. Gleichzeitig zeigt ihr Schicksal, dass selbst der Dienst an der Ostfront, der sich ansonsten gut in die offizielle Deutung des Krieges einfügen ließ, keinen dauerhaften Platz im öffentlichen Gedächtnis garantierte, wenn das weitere Leben einer bestimmten Frau in Konflikt mit den Bedürfnissen des Regimes geriet.

Einen anderen Mechanismus verdeutlicht das Roma-Lied „Aušvicate hi kher báro“ in Verbindung mit dem Zeugnis von Růžena Danielová. Das Lied geriet nach dem Krieg nicht völlig in Vergessenheit: 1957 entstand eine Radioaufnahme des Liedes, und später wurde es Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Aufarbeitung. Dennoch blieb es außerhalb des Mainstreams der öffentlichen Erinnerungskultur. Weder die Erfahrung des Völkermords an den Roma und Sinti noch das Lied, das das Leid im Lager schildert, passten in die vorherrschende Erzählung von militärischem und politischem Heldentum.

Auch die Geschichte von Marianne Golz-Goldlust blieb lange Zeit unbeachtet. Ihre Hilfe für Verfolgte fand im zivilen Umfeld statt und überschritt nationale wie sprachliche Grenzen. Die deutschsprachige gebürtige Wienerin, die in Prag lebte und Juden durch informelle persönliche Kontakte half, passte weder in die Nachkriegsdarstellung des tschechischen nationalen Widerstandskampf noch in den späteren kommunistischen Kanon.

Nach 1989 erweiterte sich die öffentliche Sichtweise auf den Widerstandskampf gegen den Nationalsozialismus allmählich. Persönlichkeiten des demokratischen und westlichen Widerstandskampf rückten wieder ins Gedächtnis, Archivbestände wurden zugänglich gemacht, und der Völkermord an Jüd:innenJuden, Rom:nja und Sinti:zze, der Alltag unter der Besatzung sowie die Erfahrungen zuvor übersehener Gruppen fanden größere Beachtung. Genderorientierte Forschung, Oral History, die Veröffentlichung von Tagebüchern und Zeitzeug:innenberichten sowie Bildungs- und Kunstprojekte begannen, Frauen verstärkt als eigenständige Akteurinnen darzustellen. Zu diesem Wandel trugen auch Überlebende und Zeitzeuginnen bei, darunter Emílie Machálková, die öffentlich die Erfahrungen ihrer Familie weitergab und an die nationalsozialistische Verfolgung der Rom:nja erinnerte.

Emílie Machálková bei der Entgegennahme der Medaille „Für Freiheit und Demokratie“, 2012. Archiv Živá paměť (Lebende Erinnerung) o. p. s.“ Quelle: https://www.pametnaroda.cz/cs/machalkova-emilie-1926.

Doch auch das heutige Gedächtnis ist nicht frei von Selektivität. Mit der Ablehnung der kommunistischen Deutung der Vergangenheit gerieten manchmal auch Frauen in den Hintergrund, deren Geschichten das ehemalige Regime ideologisch instrumentalisiert hatte. So konnte Marie Kudeříková nun vor allem als Symbol der damaligen Propaganda wahrgenommen werden und nicht als konkrete Teilnehmerin des Widerstandskampfs gegen den Nationalsozialismus. Eine Vereinfachung könnte somit durch eine andere ersetzt worden sein. Kritisches Gedenken erfordert daher eine Rückkehr zu den Quellen und eine konsequente Unterscheidung zwischen dem Kriegsverhalten konkreter Frauen und den Bildern, die spätere Regime und Generationen aus ihren Schicksalen geschaffen haben.

Fazit:

Was können wir also alles als Auflehnung, Widerstand oder Widerstandskampf bezeichnen? Die Geschichten der vorgestellten Frauen zeigen, dass die Antwort von den konkreten Umständen, Möglichkeiten und Zielen ihres Handelns abhängt. Die genannten Begriffe helfen dabei, zwischen persönlicher Verweigerung, umfassenderer Hilfe für Verfolgte und organisierten Aktivitäten gegen die Besatzungsmacht zu unterscheiden. Man kann daraus jedoch keine Skala des Mutes oder moralischer Werte erstellen. Die einzelnen Taten hatten unterschiedliche Tragweite und Ergebnisse, und wir müssen sie alle in den Situationen beurteilen, in denen sie stattfanden.

Marie Kudeříková, Marianne Golz-Goldlust, Jiřina Kopoldová-Švermová, Emílie Machálková und Růžena Danielová stellen kein einheitliches Modell weiblichen Heldentums dar. Neben diesen mehr oder weniger bekannten Namen gibt es noch viele Frauen, über deren Handeln nur bruchstückhafte Berichte erhalten sind oder deren Namen uns gar nicht bekannt sind. Ihre genaue Zahl lässt sich nicht zuverlässig bestimmen, da informelle Hilfe, persönlicher Auflehnung und Aktivitäten im Privaten oft keine schriftlichen Spuren hinterlassen haben.

Die Erfahrungen der weiblichen Akteurinnen erweitern den Blick auf die Umfelder, in denen Widerstand entstehen konnte – vom häuslichen Umfeld über illegale Netzwerke und Militäreinheiten bis hin zu Konzentrationslagern. Der Sinn ihres Gedenkens besteht nicht darin, die alte Riege männlicher Helden durch ein neues Pantheon von Heldinnen zu ersetzen. Entscheidend ist es, den Frauen den Raum für ihre eigenen Entscheidungen, Motivationen und Erfahrungen auf derselben Ebene wie den Männern zurückzugeben. Erst dann können ihre Stimmen dazu beitragen, ein vollständigeres Bild des Krieges, der nationalsozialistischen Verfolgung und der Möglichkeiten, sich ihr zu widersetzen, zu zeichnen.

Mehr über die Serie Echos der Frauenstimmen des Krieges.

Mit Unterstutzung von:
Internetquellen:
  • SCHUSTER, Michal: „Jakou jste si mne vychovali, takovou mne máte” („So, wie ihr mich erzogen habt, so habt ihr mich.“) Antikomplex.cz. Verfügbar auf Deutsch unter: https://antikomplex.cz/de/2026/06/19/so-wie-ihr-mich-erzogen-habt-so-habt-ihr-mich/.
  • SCHUSTER, Michal: „Měla jsem vždycky odvahu žít…” („Ich hatte immer den Mut zu leben…“) Antikomplex.cz. Verfügbar auf Deutsch unter: https://antikomplex.cz/de/2026/04/20/ich-hatte-immer-den-mut-zu-leben/.
  • SCHUSTER, Michal: „Nikdo nemá právo vzít mi život…“ („Niemand hat das Recht, mir das Leben zu nehmen…“) Antikomplex.cz. Verfügbar auf Deutsch unter: https://antikomplex.cz/de/2026/03/06/niemand-hat-das-recht-mir-das-leben-zu-nehmen/.
  • SCHUSTER, Michal: Ozvěny ženských hlasů války. (Echos der Frauenstimmen des Krieges.) Antikomplex.cz. Verfügbar auf Deutsch unter: https://antikomplex.cz/de/archiv-artikel-quellen/echos-der-frauenstimmen-des-krieges/.
  • SCHUSTER, Michal: „Proč tu písničku chci zpívat, když ani nevím, jestli ji dozpívám…?“ („Warum will ich dieses Lied singen, wenn ich nicht einmal weiß, ob ich es zu Ende singen kann…?“) Antikomplex.cz. Verfügbar auf Deutsch unter: https://antikomplex.cz/de/2026/07/29/warum-will-ich-dieses-lied-singen-wenn-ich-nicht-einmal-weis-ob-ich-es-zu-ende-singen-kann/.
  • SCHUSTER, Michal: „Tak Růženku mně neberte…“ („Dann nehmt mir Růženka nicht weg…”“) Antikomplex.cz. Verfügbar auf Deutsch unter: https://antikomplex.cz/de/2026/04/24/dann-nehmt-mir-ruzenka-nicht-weg/.
  • STEGUROVÁ, Karolína: Nenápadné a nedoceněné: československé ženy v odboji za druhé světové války. (Unauffällig und unterschätzt: tschechoslowakische Frauen im Widerstand während des Zweiten Weltkriegs.) Feminismus.cz. Verfügbar auf Tschechisch unter: https://www.feminismus.cz/cz/clanky/nenapadne-a-nedocenene-ceskoslovenske-zeny-v-odboji-za-druhe-svetove-valky.
Literatur:
  • BRANDES, Detlef: Češi pod německým protektorátem: okupační politika, kolaborace a odboj 1939–1945. (Die Tschechen unter dem deutschen Protektorat: Besatzungspolitik, Kollaboration und Widerstandskampf 1939–1945.) Praha 2019.
  • FLIMELOVÁ, Alena, ŠTÉR, Roman: Ve stínu mužů: Ženy v československých vojenských jednotkách na východní frontě v letech 1942–1945. (Im Schatten der Männer: Frauen in tschechoslowakischen Militäreinheiten an der Ostfront in den Jahren 1942–1945.) Praha 2021.
  • JANÍK, Vlastislav: Pamětní kniha: 294 hrdinů a obětí heydrichiády popravených v Mauthausenu. (Gedenkbuch: 294 Helden und Opfer der Heydrichiade, die in Mauthausen hingerichtet wurden.) Brandýs nad Labem–Stará Boleslav 2022.
  • KOKOŠKA, Stanislav: Odboj, kolaborace, přizpůsobení… Několik poznámek k výzkumu české protektorátní společnosti. (Widerstandskampf, Kollaboration, Anpassung… Einige Anmerkungen zur Erforschung der tschechischen Gesellschaft im Protektorat.) In: Soudobé dějiny č. 1–2, 2010, s. 9–30..
  • PLACHÁ, Pavla: Zpřetrhané životy: Československé ženy v nacistickém koncentračním táboře Ravensbrück v letech 1939–1945. (Zerrissene Leben: Tschechoslowakische Frauen im nationalsozialistischen Konzentrationslager Ravensbrück in den Jahren 1939–1945.) Praha 2021.
  • PROCHÁZKA, Ivan: A královskou korunu měly: stručný pohled na službu čs. žen v jednotkách britské armády za 2. světové války. (Und sie trugen die Königskrone: Ein kurzer Überblick über den Dienst tschechoslowakischer Frauen in Einheiten der britischen Armee während des Zweiten Weltkriegs.) Praha 2016.
  • STEGUROVÁ, Karolína: Československé ženy sloužící za druhé světové války v britských pomocných sborech ATS a WAAF. (Tschechoslowakische Frauen im Dienst der britischen Hilfstruppen ATS und WAAF während des Zweiten Weltkriegs.) In: Historie – Otázky – Problémy, č. 1, 2020, s. 102–113. 
  • STEGUROVÁ, Karolína: I ženy chtěly bojovat! Československé ženy v britských armádních pomocných sborech ATS a WAAF za druhé světové války. (Auch Frauen wollten kämpfen! Tschechoslowakische Frauen in den britischen Hilfstruppen ATS und WAAF während des Zweiten Weltkriegs.) Praha 2021.
  • Vojenské osobnosti československého odboje 1939–1945. (Militärpersönlichkeiten des tschechoslowakischen Widerstandskampfs 1939–1945.) Praha 2005.
Anmerkungen – Quellenangaben:
  1. Weitere Informationen z. B. bei KOKOŠKA, Stanislav: Odboj, kolaborace, přizpůsobení… Několik poznámek k výzkumu české protektorátní společnosti. (Widerstandskampf, Kollaboration, Anpassung… Einige Anmerkungen zur Erforschung der tschechischen Gesellschaft im Protektorat.) In: Soudobé dějiny č. 1–2, 2010, s. 9–30. ↩︎
  2. Ausführlicher z. B. PLACHÁ, Pavla: Zpřetrhané životy: Československé ženy v nacistickém koncentračním táboře Ravensbrück v letech 1939–1945. (Zerrissene Leben: Tschechoslowakische Frauen im nationalsozialistischen Konzentrationslager Ravensbrück in den Jahren 1939–1945.) Praha 2021. ↩︎
  3. Siehe z. B. STEGUROVÁ, Karolína: Nenápadné a nedoceněné: československé ženy v odboji za druhé světové války. (Unauffällig und unterschätzt: tschechoslowakische Frauen im Widerstand während des Zweiten Weltkriegs.) Feminismus.cz. Verfügbar auf Tschechisch unter: https://www.feminismus.cz/cz/clanky/nenapadne-a-nedocenene-ceskoslovenske-zeny-v-odboji-za-druhe-svetove-valky; Vojenské osobnosti československého odboje 1939–1945 (Militärpersönlichkeiten des tschechoslowakischen Widerstandskampfs 1939-1945.). Praha 2005. ↩︎
  4. Siehe z. B. JANÍK, Vlastislav: Pamětní kniha: 294 hrdinů a obětí heydrichiády popravených v Mauthausenu. (Gedenkbuch: 294 Helden und Opfer der Heydrichiade, die in Mauthausen hingerichtet wurden.) Brandýs nad Labem–Stará Boleslav 2022. ↩︎
  5. Mehr dazu z. B. Ženy bojující v zahraničních jednotkách za druhé světové války. (Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs in ausländischen Einheiten kämpften.) Praha 1992 ; FLIMELOVÁ, Alena, ŠTÉR, Roman: Ve stínu mužů: Ženy v československých vojenských jednotkách na východní frontě v letech 1942–1945. (Im Schatten der Männer: Frauen in tschechoslowakischen Militäreinheiten an der Ostfront in den Jahren 1942–1945.) Praha 2021; PROCHÁZKA, Ivan: A královskou korunu měly: stručný pohled na službu čs. žen v jednotkách britské armády za 2. světové války. (Und sie trugen die Königskrone: Ein kurzer Überblick über den Dienst tschechoslowakischer Frauen in Einheiten der britischen Armee während des Zweiten Weltkriegs.) Praha 2016; STEGUROVÁ, Karolína: I ženy chtěly bojovat! Československé ženy v britských armádních pomocných sborech ATS a WAAF za druhé světové války. (Auch Frauen wollten kämpfen! Tschechoslowakische Frauen in den britischen Militärhilfskorps ATS und WAAF während des Zweiten Weltkriegs.) Praha 2021; STEGUROVÁ, Karolína: Nenápadné a nedoceněné: československé ženy v odboji za druhé světové války. (Unauffällig und unterschätzt: Tschechoslowakische Frauen im Widerstand während des Zweiten Weltkriegs.) Feminismus.cz. Verfügbar auf Tschechisch unter: https://www.feminismus.cz/cz/clanky/nenapadne-a-nedocenene-ceskoslovenske-zeny-v-odboji-za-druhe-svetove-valky. ↩︎
  6. Siehe z. B. FLIMELOVÁ, Alena, ŠTÉR, Roman: Ve stínu mužů: Ženy v československých vojenských jednotkách na východní frontě v letech 1942–1945. (Im Schatten der Männer: Frauen in tschechoslowakischen Militäreinheiten an der Ostfront in den Jahren 1942–1945.) Praha 2021, S. 358–372. ↩︎